Food Trends 2022: Essen mit gutem Gewissen

Einer der Food Trends 2022 ist gesundes Convenience Food
Was wünschen sich Menschen von ihrer Ernährung im kommenden Jahr? Flexibilität, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Genuss kennzeichnen die Food Trends 2022.

Nach rund zwei Jahren Corona-Pandemie haben sich bei vielen Menschen Werte verschoben. Alte Ernährungsgewohnheiten kamen auf den Prüfstand, wurden verändert und durch neue Aspekte ersetzt. Die Zahl der Flexitarier wuchs, ebenso die Nachfrage nach lokalen, ökologisch und sozial verantwortlichen Lebensmitteln. Dazu kam der boomende Markt der Ersatzprodukte zugunsten von Gesundheit, Tieren und Klima. Das sind nur einige der Stichworte, die gegenwärtige Ernährungstrends beschreiben. Was sind die Food Trends 2022? Was ist Verbrauchern am Essen der Zukunft wichtig? Müssten wir die Ernährungstrends 2022 mit nur einem einzigen Slogan überschreiben, wäre es für uns „Gesund genießen mit gutem Gewissen“.

Tageslieferung der Basenbox
Basisch, bunt und Bio. Die „Basenkur“ für Zuhause enthält pro Lieferung ein Abendessen sowie Frühstück und Mittagessen für den kommenden Tag.
Bildnachweis: BASENBOX

Food Trend #1: Iss dich gesund

Essen unter gesundheitlichen Aspekten wird als Ernährungstrend immer populärer. Mit gezielter Nahrungsumstellung kann man Krankheiten wie Diabetes, Gicht oder zu hohen Blutdruck besser in den Griff bekommen.

Wie, das zeigen beispielsweise Die Ernährungsdocs. Die gleichnamige Doku-Serie startete 2021 im NDR in ihre inzwischen siebte Staffel mit Themen wie Rheumatoide Arthritis, Herpes oder Fibromyalgie. Zum „Essen gegen/für…“ gibt es außerdem immer wieder neue Theorien, Bücher, Kurse, ja, und auch schon ganze Ernährungspakete für einen einfachen Einstieg.

Das als 5-Tages-Paket angebotene und von Zukunftsessen bereits ausführlich beschriebene Scheinfasten-Programm ProLon®, entwickelt vom Altersforscher Valter Longo, spricht beispielsweise von Zellrecycling und Verjüngung von Innen.

Die vom Wiener Anbieter BASENBOX zusammengestellte „Basenkur“ hilft mit vorbereiteten, frisch gekochten Mahlzeiten den Säure-Base-Haushalt des Körpers positiv zu beeinflussen. Bestellen kann man die Mini-Kur (buchbar ab 3 Tagen ) derzeit in Wien und München, hier in Kooperation mit Feinkost Käfer. Zudem gibt es Convenience-Produkte bei SPAR Österreich. Der Fokus bei basischer Ernährung liegt auf hochwertigem Gemüse, Vollkorn-Getreide, Hülsenfrüchten, Samen, Sprossen, Nüssen. Gleichzeitig enthält sie alle essentiellen Mineralien und Spurenelemente.

Die sogenannte MIND-Diät wurde 2015 am Rush University Medical Center in Chicago zum optimalen Schutz des Gehirns vor altersbedingtem Verfall entwickelt. Studien belegen in der Tat ein signifikant geringeres Risiko für Alzheimer Demenz bei Befolgen dieser Ernährungsempfehlung. Täglich grünes Blatt- und anderes Gemüse sowie Nüsse, mehrmals wöchentlich Beeren, Olivenöl und Vollkornprodukte stehen beispielsweise auf dem Speiseplan. Käse, rotes Fleisch, Gebratenes oder Butter sollte man weitgehend meiden. Ein Glas Wein pro Tag scheint übrigens in Ordnung zu sein.

Aronia-Beeren
Superfood Aronia-Beere.
Bildnachweis: Pixabay/GoranH

Food Trend #2: Exotik auf deutschen Äckern

Exotisches Superfood wird lokal – ein Trend, der sich in der Landwirtschaft immer klarer abzeichnet und der auch künftig Raum für Experimentierfreude und Entrepreneurship lässt.

Sojabohnen oder Hanf sind auf deutschen Äckern zwar längst nicht überall verbreitet, nehmen aber deutlich zu. Selbst Ingwer wächst schon auf bayrischen Äckern oder in der Lüneburger Heide, zudem auch Süßkartoffeln und Kurkuma. Spannend wird nun es bei den seit Jahren als Superfoods geltenden Chia und Quinoa, die es bislang fast nur als Importware gibt. Hier versuchen deutsche Landwirte mittlerweile, die Nachfrage der Verbraucher nach nachhaltig produzierter lokaler Ware zu bedienen.

Seit wenigen Jahren erst wird Quinoa in Deutschland angebaut. Mit dem Obsthof Knab, Kienader Quinoa und der Münchner Bauern Genossenschaft könnte man im Großraum München fast schon von einem Quinoa-Cluster sprechen. Die hier geerntete Quinoa hat auch bereits den Weg aus den Hofläden in die Supermärkte gefunden.

Aronia- und die noch weitgehend unbekannten Haskap-Beeren (Letztere vielleicht ein Anwärter für das neue lokale Superfood 2022?) baut man am Pfabhof an, ebenfalls im Münchner Raum. Aber ebenso das Urgetreide Emmer. Ein Superfood aus der Vergangenheit, das wieder beliebt wird.

Mediales Aufsehen erregte im September 2021 ein niedersächsischer Junglandwirt, der als erster Chia einer eigens für den Anbau in Deutschland gezüchteten und im März 2021 erst zugelassenen Sorte erntete. Ob ein breiterer Anbau von Chia in Deutschland der neue Trend in der Landwirtschaft wird?

Blühende Chia-Pflanzen
Schön anzuschauen und gut für Insekten: An der Universität Hohenheim wurde in einem Projekt der AG Leguminosen unter Leitung von Volker Hahn Chia für die Aussaat in Deutschland gezüchtet.
Bildnachweis: Volker Hahn

Food Trend #3: Gut für Tiere und tierisch gut

Tierwohl und Klima liegen europäischen Verbrauchern am Herzen. Ernährungstrends zeigen deutlich, dass der Markt für pflanzenbasierte Ersatzprodukte weiterhin wachsen wird. Gleichzeitig wird rund um den Globus fieberhaft daran gearbeitet, „tierisch gute“ Produkte basierend auf Fermentation oder Kultivierung von Zellen herzustellen. Für die kein Tier mehr leiden muss.

Meldungen über pflanzenbasierte Fleischersatzprodukte gehören mittlerweile fast schon zum Tagesgeschäft. Was pflanzlichen Ersatz für Milch, Eier, Fisch oder Seafood betrifft, können neue Produkte hier aber durchaus noch für größere Schlagzeilen sorgen. Mit „V-Love The Boiled“ der Schweizer MIGROS-Tochter Elsa kam so Anfang November 2021 unter großer Beachtung das weltweit erste vegane hartgekochtes Ei auf den Markt.

Genuss von kultivierten, zellbasierten Produkten ist einer der neuen Enrnährungstrends
Food Trend 2022: Kultivierung von Fleisch, Fisch und Seafood, basierend auf Zellen.
Bildnachweis: Bluu Biosciences

Fermentierte und kultivierte Produktion von tierischen Lebensmitteln scheint im Vergleich zu der auf Pflanzen basierenden Herstellung als noch sehr futuristischer Food Trend. Visionärer, exotischer, authentischer, aber auch umstrittener. Damit könnte man viele Flexitarier ansprechen, die tierische Produkte zwar wegen ihres Geschmacks und ihrer Textur schätzen, aus ethischen Gründen jedoch immer häufiger bewusst darauf verzichten.

Generell haben diese beiden Bereiche noch mit etlichen Widrigkeiten zu kämpfen. Etwa, wenn es um Zulassungen der EU-Behörden und Scale-Up-Prozesse für Herstellung großer Mengen geht. Ebenso muss auch noch an den aktuell hohen Produktionskosten oder der fehlenden Akzeptanz gearbeitet werden.

Mit seinem Investment bei den Herstellern kultivierter Fleischprodukte Mosa Meat und Aleph Farm war Leonardo di Caprio im September 2021 weltweit in den Medien. Über die Käseherstellung des deutschen Startups Formo, die auf Fermentation beruht, haben wir bereits berichtet. Das deutsche Unternehmen Bluu Biosciences plant mit Atlantischem Lachs, Karpfen und Regenbogenforelle spätestens in 2023/24 kultivierte Fischprodukte auf den deutschen Markt zu bringen. Fermentierung und Kultivierung sind heiße Food Trends 2022, die allerdings möglicherweise erst in den Folgejahren mit ersten Produkten in unseren Supermarkt-Regalen auftauchen werden.

Nachhaltig, vegan, ökologisch verantwortlich und convenient - der Jackpot von Lotaa liegt im Ernährungstrend
Voll im Food Trend 2022: Der vegane Jackpot süß-sauer von Lotao aus Berlin. Nachhaltig, Bio und sozialverträglich hergestellt. Ein 5-Minuten-Wohlfühlgericht.
Bildnachweis: Lotao

Food Trend #4: Fast Good statt Fast Food

Einfach und bequem soll unser Essen zuzubereiten sein, quasi Convenience Food 3.0. Allerdings am besten nachhaltig, gesund, ökologisch und nach Möglichkeit gerne auch mit veganer Option. „Fast Good statt Fast Food“ scheint voll im Ernährungstrend zu liegen.

Diesen Trend befeuert auch ein nicht zu unterschätzender Neben-Aspekt der Pandemie. Lockdowns und Home Office bedeuten für viele Menschen, dass sie sich längerfristig selbst versorgen müssen. Nicht jede:r aber kann und will kochen, häufig fehlt auch schlicht die Zeit. Qualität und Gesundheit sollen dennoch nicht darunter leiden. Eine Nische, die Hersteller von fertigen bzw. einfach zuzubereitenden „Fast good“-Gerichten besetzen können.

Immer mehr Anbieter schaffen es, all die oben erwähnten Kundenwünsche zu erfüllen. Mit ihrem „Jackpot“, einer Art veganer 5 Minuten Terrine auf Basis von Jackfruit, haben beispielsweise Lotao aus Berlin ein Fertiggericht entwickelt, das auch der Ungeübteste zubereiten kann. Der fermentierte Flüssigteig „eatly“ der bayrischen Tastee GmbH auf Basis von Linsenbohnen und Reis bietet ebenfalls eine nachhaltige Alternative für alle Fans der schnellen gesunden Küche.

Mit der Melon Community entstand 2019 sogar ein richtiggehender Markplatz für veganes, fertig zubereitetes Essen mit einer starken sozialen Komponente.  „Hosts“ und Käufer:innen aus der näheren Umgebung können hier Selbstgekochtes einstellen bzw. zur Abholung ordern. Oder sich sogar alternativ zum gemeinsamen Genießen des Gerichtes verabreden.

Kochboxen wie hier von easycookasialiegen schwer im Trend
Kochboxen boomen! Ob als Hausmannskost, Fine Dining oder mit asiatischen Köstlichkeiten – für Abwechslung ist gesorgt.
Bildnachweis: easycookasia

Food Trend #5: Genuss statt Verzicht

Ob Veganer oder Omnivore – Genuss statt Verzicht spielt eine wichtige Rolle bei den Food Trends 2022. Auch das mag mit von der Corona-Pandemie beeinflusst sein, in der Verzicht in vielen Bereichen gefragt war. Über lange Phasen hinweg kaum Reisen oder Restaurantbesuche, wenig normaler Alltag, also möchte man wenigstens dort genießen, wo es uneingeschränkt möglich ist: beim Essen.

Diesen Food Trend bedienen die Produzenten von fertig zusammengestellten Kochboxen. Neue Gerichte, Geschmäcker oder Länder-Küchen einfach erst einmal zuhause auszuprobieren, ohne vorher aufwändig entsprechende Gewürze oder Zutaten zu besorgen? Kein Problem. Und wenn es doch nicht ganz das Richtige war, wurde wenigstens nicht zu viel gekauft und landet im Müll. Auch Nachhaltigkeit ist schließlich einer der großen Trends. Vom Fine Dining über Hausmannskost bis hin zum exotischen, asiatischen Mehr-Gänge-Menü findet sich die richtige Box für jeden Anlass. Rein vegane Kochboxen gibt es unter anderem bei vegantastic.

Für Gastronomen bedeutet dieser Trend zum Genießen ebenfalls ein Umdenken in Bezug auf die immer größer werdende Klientel der Vegetarier und Veganer. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen diese Gäste eine Ausnahme waren, die man mit einer Portion Käsespätzle bzw. einem Salat „abspeiste“. Vegane und vegetarische Gerichte oder ganze Menüs gehören mittlerweile zum Standard vieler Gastronomie-Betriebe. Aufsehen erregte hier die Kooperation des jungen Schweizer Start-ups planted. mit dem Berliner Zwei-Sterne-Koch Tim Raue im Oktober 2021. Zwei Lunch- und drei Dinner-Menüs, davon jeweils eines vegan, sind übrigens auf der Karte von Tim Raue zu finden.

Vegane Sterneküche liegt im Trend
Vegane Sterneküche: planted.pulled im Peking Duck Salad von Tim Raue.
Bildnachweis: Nils Hasenau

Food Trend #6: Vegan im Aufwind

Viele Fleischesser sind durchaus bereit, ihren Verbrauch zu reduzieren und Alternativen auszuprobieren, solange Geschmack und Genuss dadurch nicht eingeschränkt werden. Wird das Kochen und Ordern veganer Gerichte auch für breite Konsumentenschichten zum new nomal? Umfragen sprechen dafür.

Die neueste Umfrage des SmartProtein Projects belegt: Wir alle sind aufgeschlossener gegenüber Neuem geworden. Als Veganer bezeichnen sich zwar nur 7 Prozent der 7500 in Europa Befragten, allerdings sehen sich rund 30 Prozent als Flexitarier.

Das Sponsoring des RB Leipzig im August und anschließend der erste Börsengang von Veganz am 10. November 2021 zeigen, dass das Thema vegane Ernährung gegenwärtig von einem Nischendasein mitten in die Gesellschaft rückt. Dazu gehört auch die Offensive von Burger King, die sechs vegane Produkte und zudem vegane Mayonnaise im Programm haben. Die „Plant–based Nuggets“ und der „Plant–based Long Chicken“ sind sogar mit dem V–Label vegan lizenziert, womit Burger King Vorreiter in der deutschen Gastronomie ist.

Burger mit pflanzenbasiertem Chicken
Der „Plant-Based Long Chicken“ mit einem Patty von The Vegetarian Butcher und veganer Mayo, hier allerdings mit Käse. Ob man diesen möchte, wird jeweils bei der Bestellung gefragt.
Bildnachweis: Margrit Amelunxen

Die großen Lebensmittelproduzenten haben längst ihre vegane/ vegetarische Seite entdeckt und weiten dieses Segment im pflanzenbasierten Markt konsequent aus, wie zuletzt auf der ANUGA 2021 zu sehen war. Um hier nur einige zu nennen: Nestlé mit Garden Gourmet, Unilever mit The Vegetarian Butcher oder die hinter Wiesenhof stehende PHW-Gruppe mit Green Legend sind in deutschen Supermärkten zu finden. Aber auch Discounter und Drogeriemärkte haben vegane Lebensmittel sowie Eigenmarken im Portfolio. Selbst wenn deren Sortiment außerhalb größerer Städte manchmal noch zu wünschen übriglässt, der Trend ist unverkennbar.

Ernährungstrends eng miteinander verknüpft

Unsere Food Trends 2022 sind keine getrennten Einzelphänomene, auch wenn sie möglicherweise im Widerspruch zueinander zu stehen scheinen. Ob Veganer, Vegetarier, Allesesser oder Flexitarier – Menschen wollen 2022 flexibel entscheiden, was sie essen. Zudem wünschen sie sich vor allem dies von ihrer Ernährung: Gesund, gut für Mensch, Tier und Klima soll sie sein. Möglichst lokal und nachhaltig produziert, für alle erschwinglich und vor allem schmackhaft. Vielen geht es darum neue, exotische kulinarische Entdeckungen mit gutem Gewissen zu machen.

Titelbild: eatly.eu

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