Nischenmarkt trotz Trend: Pflanzlicher Ersatz für Fleisch und Milch

Einen deutlichen Anstieg im Konsum pflanzlicher Ersatzprodukte für Fleisch, Milch und Molkereiprodukte in der EU sehen Analysten der Niederländischen Rabobank. Dennoch bleibe der Markt bis 2035 nur ein Nischenmarkt, so das Fazit der aktuellen Studie: Lukrativ, mit Potential, aber vorerst nur mit Anteilen im einstelligen Prozentbereich.

Derzeit liegt der Marktanteil in Europa bei 0,5 Prozent für pflanzenbasiertes Fleisch und etwa 3 Prozent für Milchersatzprodukte. Der Sektor wächst nicht in allen europäischen Ländern gleich, aber seit Jahren schnell.

Wie beeinflussen pflanzliche Ersatzprodukte die Milchproduktion?

Laut Analyse der Experten verringert sich der Verbrauch an Frischmilch bis 2035 um jährlich etwa 0,7 Prozent. Marktanteile für Milchersatzprodukte steigen im selben Zeitraum von derzeit 3 auf an die 9 Prozent.

Milchbauern dürften jedoch keinen Einbruch bemerken, da die Hälfte der europäischen Frischmilch sowieso der Käseproduktion dient. Steigende Bevölkerungszahlen und die erhöhte Nachfrage nach Käse könnten unter dem Strich sogar zu einem um 0,2 Prozent erhöhten Verbrauch an Frischmilch führen.
Käseersatzprodukte spielen derzeit noch keine bedeutende Rolle, bei Joghurt oder Eiscreme aus Milchalternativen sieht die Studie jedoch einen größeren Anstieg voraus.

Ersatzprodukte aus pflanzlichen Proteinen für Milch und Fleisch mit wachsenden Absätzen bis 2025
Die Prognose der Rabobank zeigt den größten Anstieg bei Milch- und Fleischersatzprodukten (Dunkelblauer und grüner Balken).
Bildnachweis: Nielsen, IRI, Euromonitor, Rabobank (2021)

Nachfrage nach Fleisch aus Pflanzenprotein könnte um das Achtfache steigen

Die Rabobank erwartet bei Fleischersatz aus Pflanzenprotein einen Anstieg des Marktanteils von heute 0,5 auf 4 Prozent in 2035. Mehr als in jeder anderen Lebensmittelgruppe.
Das zukünftige Wachstum ist jedoch stark von neuen Produkten und Technologien abhängig, die es derzeit noch nicht im entsprechenden Ausmaß gibt. Alternativen zu Muskelfleisch wie Hähnchenbrust oder Steak werden beispielsweise erst in einigen Jahren erwartet. Spannend bleiben auch Themen wie die Nutzung anderer Proteinquellen (Insekten) oder die Herstellung von Fleisch im Labor. Diese hängen nicht zuletzt von der Akzeptanz der Verbraucher ab.

Konsumenten haben verschiedene Gründe für den Griff zu Pflanzenproteinen

Wenn es um die Milch geht, steht in erster Linie die Gesundheit im Zentrum: Vor allem wegen Laktoseintoleranz wählen Verbraucher Milchprodukte aus Soja, Hafer oder Mandeln.
Bei pflanzlichem Ersatz für Fleisch ist die Gesundheit nur eine von mehreren Ursachen. Die Generation der Baby Boomer konsumiert, wie die Studie herausfand, bewusst weniger Fleisch. Motive dafür sind der Klimawandel, Regenwaldvernichtung zur Tiermast, aber auch das Tierwohl.

Steigende Nachfrage nach alternativen Proteinquellen – wer profitiert?

Der Kunde, wie es zunächst scheint.
Ein Gang durch den Supermarkt verdeutlicht: Was man vor fünf Jahren meist in eher abgelegene Ecken verbannte, wird nun in eigenen Kühltheken und Verkaufszonen prominent präsentiert. Dies liegt nicht zuletzt am Budget großer Lebensmittelproduzenten wie Unilever oder Nestlé, die alle längst in den lukrativen Markt eingestiegen sind. Der rasch wachsende Sektor mit schönen Gewinnspannen bietet eine Win-win-Situation sowohl für Produzenten als auch Händler.

Mehr Vielfalt und höherer Marktanteil bedeuten für den Kunden jedoch nicht fallende Preise.
Vor allem in punkto Qualität hat sich seit Einführung der ersten Produkte Wesentliches getan. Dadurch höhere Verkaufsanteile führen zu mehr Innovation und Forschung und letztlich zu einer wachsenden, verbesserten Produktpalette. Ein positiver Kreislauf, der auch weiterhin für bessere Akzeptanz und Kundenzufriedenheit sorgen wird.
Jedoch mit gleichbleibend hohen Preisen für den Endverbraucher.
Der Studie zufolge wird das Preisniveau für pflanzliche Ersatzprodukte auch weiterhin gleich oder höher als für tierisches Protein liegen. Die Studie der Rabobank sieht den Markt trotz aller Zuwächse die nächsten 15 Jahre über nicht als Massenmarkt.

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