Käse ohne Kuh: Die veganen Alternativen 2026
Veganer Käse hat ein Imageproblem: Er schmilzt nicht richtig, zieht keine Fäden und schmeckt nach Kokosfett. So zumindest das Klischee. Doch der Markt hat sich rasant entwickelt – von 70 auf 139 Millionen Euro allein in Deutschland. Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was können pflanzliche Käsealternativen 2026 wirklich? Welche Produkte überzeugen? Und wann kommt der Käse, der wirklich wie Käse schmeckt?
Der Markt wächst – aber bleibt eine Nische
Die Zahlen klingen zunächst beeindruckend: Der deutsche Markt für vegane Käsealternativen ist von etwa 70 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 139 Millionen Euro im Jahr 2023 gewachsen – fast eine Verdopplung in drei Jahren. Doch wer genauer hinschaut, sieht auch die andere Seite: Der Anteil am gesamten Käsemarkt liegt bei gerade einmal 0,7 Prozent. Pflanzenmilch hat längst die Zehn-Prozent-Marke geknackt, pflanzlicher Joghurt liegt bei über vier Prozent. Veganer Käse? Bleibt ein Nischenprodukt.
Das liegt nicht am Preis – zumindest nicht mehr. 2021 kosteten pflanzliche Alternativen im Schnitt 65 Prozent mehr als ihre tierischen Pendants. Heute liegt der Aufpreis bei etwa 35 Prozent, bei den Eigenmarken der Discounter sogar bei null. Lidl verkauft seine Vemondo-Produkte seit Oktober 2023 zum selben Preis wie die Milchvarianten. Aldi hat nachgezogen. Wer sich generell für den Einstieg in die pflanzliche Ernährung interessiert, findet in unserem Ratgeber für vegane Ernährung hilfreiche Tipps.
Das eigentliche Problem ist ein anderes: Geschmack und Textur. Wer schon einmal versucht hat, eine Pizza mit veganem Käse zu überbacken, kennt das Ergebnis. Es schmilzt nicht richtig, es zieht keine Fäden, es schmeckt nach – ja, wonach eigentlich? Nach Kokosfett und Stärke, sagen die Kritiker. Nach einer brauchbaren Alternative, sagen die Fans. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
Drei Wege zum Käse ohne Kuh
Um zu verstehen, wo der Markt steht, muss man die drei grundlegend verschiedenen Technologien kennen, die heute im Einsatz sind – oder bald sein werden.
Pflanzliche Basis: Das ist der Weg, den wir aus dem Supermarkt kennen. Etwa 75 Prozent aller Produkte nutzen Kokosfett als Grundlage, dazu kommen Varianten mit Cashews, Mandeln oder Stärke. Sie versuchen, Käse zu imitieren, stoßen aber an physikalische Grenzen. Pflanzliche Proteine verhalten sich beim Erhitzen anders als tierische – sie werden fest, statt zu schmelzen. Deshalb der enttäuschende Pizzatest.
Mikrofermentation: Einige Hersteller nutzen inzwischen Pilzkulturen wie den Koji-Pilz, der seit Jahrhunderten für Sojasauce und Miso verwendet wird. Er produziert Proteine, die dem Käse eine käsigere Textur verleihen. Das Berliner Start-up Formo ist hier Vorreiter. Der Vorteil: Weil Koji traditionell in Lebensmitteln eingesetzt wird, braucht es keine aufwändige Novel-Food-Zulassung. Der Nachteil: Es ist immer noch kein echtes Casein, das Protein, das Käse zu Käse macht.

Präzisionsfermentation: Das wäre die eigentliche Revolution. Dabei werden Mikroorganismen so programmiert, dass sie echtes Casein oder Molkenprotein produzieren – bioidentisch zu dem aus Kuhmilch. Theoretisch wäre damit Käse möglich, der genauso schmilzt, schmeckt und sich verhält wie das Original. Praktisch gibt es ein Problem: Die EU hat noch kein einziges dieser Produkte zugelassen.
Die Anträge von Perfect Day und Remilk liegen seit 2023 bei der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Experten rechnen nicht vor 2027 mit einer Entscheidung. Ein ähnliches Muster beobachten wir übrigens bei veganen Fisch-Alternativen – auch dort hinkt die Regulierung der Innovation hinterher.
Was es heute zu kaufen gibt
Wer nicht auf die Zukunft warten will, hat trotzdem eine wachsende Auswahl. Der Marktführer Simply V, eine Tochter des Allgäuer Käseriesen Hochland, hält etwa 35 Prozent Marktanteil und bietet von Scheiben über Reibekäse bis Frischkäse alles an. Bedda aus Berlin setzt auf Innovation und hat mit Trüffel-Scheiben und Calcium-angereichertem Käse eine treue Fangemeinde aufgebaut.
Violife, der internationale Player aus Griechenland, punktet besonders bei Frischkäse und Feta-Alternativen. Wilmersburger ist seit 2011 dabei und bei Pizza-Fans für seinen Schmelz bekannt. Im Premium-Segment bietet Dr. Mannah’s Cashew-Käse mit hohem Proteingehalt. Und Formo aus Berlin bringt als erster Hersteller Koji-fermentierte Produkte in den Handel.
Markenprodukte im Überblick
| Marke | Stärke | Preis (typisch) |
|---|---|---|
| Simply V | Marktführer (~35 %), breites Sortiment, gute Schmelzeigenschaften | 2,29–2,99 € |
| Bedda | Innovativ (Trüffel, Affinage), Calcium + B12 angereichert | 2,49–2,99 € |
| Violife | International stark, besonders bei Frischkäse und Feta | 2,49–2,99 € |
| Wilmersburger | Pionier seit 2011, bekannt für Pizzaschmelz | 2,29–2,79 € |
| Dr. Mannah’s | Premium-Segment, hoher Proteingehalt (bis 14 g/100 g) | 3,99–5,99 € |
| Formo | Erster Anbieter mit Koji-Fermentation | 2,89–3,99 € |
Daneben haben alle großen Handelsketten längst ihre Eigenmarken ins Regal gestellt. Sie kosten 30 bis 50 Prozent weniger als die Markenprodukte und sind für viele Verbraucher der Einstieg ins Thema.
Eigenmarken der Discounter und Supermärkte
| Händler | Marke | Beispielprodukt | Preis |
|---|---|---|---|
| Lidl | Vemondo | Genießerscheiben | 1,39 € |
| Aldi | MY VAY | Reibekäse | 1,19 € |
| REWE | REWE Bio+Vegan | Frischkäse | 1,49 € |
| Edeka | MY VEGGIE | Scheiben | 1,59 € |
| Kaufland | K-TAKE IT VEGGIE | diverse | 1,29–1,69 € |
Die unbequeme Wahrheit über Nährwerte
Hier müssen wir ehrlich sein, auch wenn es die Branche nicht gerne hört: Vegane Käsealternativen sind in den meisten Fällen kein vollwertiger Ersatz für Milchkäse. Zumindest nicht, was die Nährwerte angeht.
Protein: Der große Unterschied
| Produkt | Protein/100 g |
|---|---|
| Echter Cheddar | ~25 g |
| Dr. Mannah’s Italienische Kräuter | 14,1 g |
| Hirtenglück (Licorne) | 8,3 g |
| Formo Frischhain | 6,1–6,4 g |
| Violife Würzig | 5,3 g |
| Durchschnitt veganer Käse | ~2 g |
Ein echter Cheddar liefert etwa 25 Gramm Protein pro 100 Gramm. Der Durchschnitt bei veganen Alternativen? Etwa zwei Gramm. Es gibt Ausnahmen: Dr. Mannah’s Cashew-Käse mit italienischen Kräutern kommt auf 14 Gramm, Formos Frischhain auf sechs. Aber das sind Ausreißer nach oben.
Noch dramatischer sieht es beim Calcium aus. Echter Käse ist eine der besten Calciumquellen überhaupt – etwa 730 Milligramm pro 100 Gramm. Vegane Alternativen? Von Natur aus praktisch null. Einige Hersteller wie Bedda reichern ihre Produkte inzwischen an, aber die Mehrheit verzichtet darauf.
Beim Fett und Salz gibt es dagegen kaum Unterschiede – und das ist keine gute Nachricht. Vegane Käsealternativen enthalten ähnlich viel Fett wie Milchkäse, oft aus Kokosfett mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren. Und beim Salz schneiden sie laut Verbraucherzentrale Hamburg teils sogar schlechter ab als die tierische Konkurrenz.
Was die Tests sagen
Im Januar 2025 hat ÖKO-TEST zwölf vegane Käsescheiben unter die Lupe genommen. Das Ergebnis war ernüchternd: Fünf Produkte erhielten ein „gut“, fünf fielen mit „ungenügend“ durch. Der Grund für die Durchfaller: MOAH, aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe. Vier Produkte überschritten sogar die EU-Grenzwerte. MOAH steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Vermutung der Tester: Die Kontamination stammt aus Schmierölen in der Produktion.
Kein einziges Produkt erhielt die Bestnote „sehr gut“ – alle waren zu salzig. Die finnische Gesundheitsbehörde empfiehlt maximal 1,4 Prozent Salzgehalt als Warngrenze; alle getesteten Produkte lagen darüber.
Die Verbraucherzentrale Hamburg kam 2023 bei ihrem Test von 17 Produkten zu einem ähnlichen Fazit: Geschmacklich haben sich die Alternativen verbessert, Dr. Mannah’s Camembert-Alternative und Ve Happy Feta überzeugten die Tester. Aber der Nährwert bleibt ein Problem. Der Rat der Verbraucherschützer: Vegane Käsealternativen als gelegentlichen Genuss betrachten, nicht als vollwertigen Ersatz.
Kaufempfehlungen nach Einsatzzweck
Nach Jahren der Marktbeobachtung und dem Auswerten von Community-Feedback lässt sich sagen: Es gibt inzwischen für fast jeden Einsatzzweck ein brauchbares Produkt.
Für Scheiben aufs Brot ist Simply V oder Bedda eine gute Wahl. Simply V schmilzt akzeptabel, Bedda ist mit Calcium und B12 angereichert.
Zum Überbacken empfiehlt die Community den Simply V Reibegenuss oder das neuere Simply V Gratin, das explizit fürs Schmelzen entwickelt wurde. Wichtig dabei: Veganer Käse braucht mehr Hitze – mindestens 70 Grad – und mehr Zeit als sein tierisches Pendant. Ein Schuss Pflanzensahne verbessert das Ergebnis.
Beim Frischkäse ist die Auswahl am größten. Simply V Streichgenuss gilt als Allrounder, Violife Creamy als besonders neutral. Formos Frischhain polarisiert: Die quarkartige Säure gefällt nicht jedem, aber der höhere Proteingehalt überzeugt ernährungsbewusste Käufer.
Für Salate mit Feta-Alternative schwören viele auf Violife Greek White.
Warum das Thema wichtig ist
Käse ist nach Butter das klimaschädlichste Milchprodukt. 5,7 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Kilogramm – das ist mehr als bei den meisten Fleischsorten. Pflanzliche Alternativen schneiden hier deutlich besser ab.
Umweltbilanz im Vergleich
| Produkt | CO₂-Äquivalent pro kg |
|---|---|
| Milchkäse | 5,7 kg |
| Vegane Scheiben (Kokosfett) | ~1,9 kg |
| Koji-fermentierter Käse | ~2,0 kg |
Hersteller wie Formo beziffern die Ersparnis so: 96 Prozent weniger Wasserverbrauch, 83 Prozent weniger Landnutzung, 65 Prozent weniger CO₂ im Vergleich zum Milch-Original. Selbst wenn man diese Zahlen mit Vorsicht betrachtet – sie stammen von Herstellern selbst – bleibt der ökologische Vorteil erheblich.
Wer seinen Fußabdruck reduzieren will, für den sind pflanzliche Alternativen trotz ihrer Nährwert-Schwächen eine sinnvolle Option. Nicht als kompletter Ersatz vielleicht, aber als Teil einer bewussteren Ernährung. Mehr dazu in unserem Überblick zu den aktuellen Food Trends.
Was die Zukunft bringt
Die Branche entwickelt sich weiter. Formo hat im Januar 2025 einen 35-Millionen-Euro-Kredit von der Europäischen Investitionsbank erhalten und will die Produktionskapazität verdreifachen. Angekündigt sind Feta-Alternativen und Weißschimmelkäse. Parallel arbeiten mehrere Unternehmen an echtem Casein aus Präzisionsfermentation – für den US-Markt, wo die Zulassung einfacher ist.
Die große Frage bleibt: Wann kommen die bioidentischen Milchproteine nach Europa? Perfect Day und Remilk haben ihre Anträge eingereicht, aber die EFSA-Mühlen mahlen langsam. Insider rechnen nicht vor 2027 mit einer Entscheidung.
Bis dahin bleibt der Markt in einer Art Zwischenstadium: besser als vor fünf Jahren, aber noch weit entfernt von dem, was technisch möglich wäre.
Fazit
Der Markt für Käsealternativen ist 2026 an einem interessanten Punkt angelangt. Die Preise stimmen, die Auswahl ist groß, und mit neuen Technologien wie Koji-Fermentation gibt es erste Produkte, die über die reine Imitation hinausgehen. Gleichzeitig bleiben die grundsätzlichen Probleme bestehen: wenig Protein, kein Calcium, und beim letzten ÖKO-TEST fielen fast die Hälfte der Produkte wegen Mineralölbelastung durch.
Die echte Revolution – Käse mit bioidentischen Proteinen – lässt weiter auf sich warten. Wer heute auf tierischen Käse verzichten will, findet brauchbare Alternativen für fast jeden Einsatzzweck. Wer auf einen vollwertigen Ersatz hofft, muss sich noch gedulden.
Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert. Letzte Überarbeitung: Februar 2026.

