Scheinfasten bei Morbus Crohn: Therapie hilft 69 Prozent

Crop unrecognizable female touching belly while having acute pain in stomach sitting on couch

Forscher:innen der Stanford University haben die sogenannte Fasting Mimicking Diet (FMD) – auf Deutsch: Scheinfasten – bei Patient:innen mit Morbus Crohn getestet. Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, bei der das Immunsystem die eigene Darmschleimhaut angreift und zu Schüben mit Bauchschmerzen, Durchfall und Erschöpfung führt. Das Ergebnis der Studie: 69,2 Prozent der Teilnehmer:innen ging es nach drei Monaten deutlich besser, und bei 64,6 Prozent trat eine sogenannte Remission ein – die Symptome gingen also so weit zurück, dass die Erkrankung als inaktiv gilt.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil es für Morbus Crohn bisher kaum Ernährungstherapien mit echter wissenschaftlicher Evidenz gibt. Medikamente ja, Ernährung eher nicht. Die im Januar 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Studie könnte das ändern.

Gesundes Smoothie Bowl mit frischem Obst und Gemüse
Scheinfasten bei Morbus Crohn: Therapie hilft 69 Prozent 3

Was wurde untersucht?

Das Forscherteam um Sidhartha R. Sinha – Assistenzprofessor für Gastroenterologie an der Stanford Medicine – hat 97 Patient:innen mit mild bis moderat ausgeprägtem Morbus Crohn in eine nationale Studie aufgenommen. Erstautor:innen sind Chiraag Kulkarni und Touran Fardeen. Beteiligt waren neben Stanford auch Wissenschaftler:innen der University of Southern California (USC) – darunter Valter Longo, der Erfinder der Fasting Mimicking Diet – und der University of California, San Francisco (UCSF).

65 Teilnehmer:innen kamen in die FMD-Gruppe, 32 in die Kontrollgruppe. Das Prinzip der FMD: An fünf aufeinanderfolgenden Tagen pro Monat essen die Teilnehmer:innen stark kalorienreduziert – zwischen 700 und 1.100 Kalorien am Tag, rein pflanzlich. Den Rest des Monats essen sie ganz normal. Diesen Zyklus wiederholten sie drei Monate lang. Die Kontrollgruppe aß durchgehend wie gewohnt. Beide Gruppen behielten ihre bisherige Medikation bei.

Gemessen haben die Forscher:innen sowohl die Symptome der Patient:innen als auch objektive biologische Marker – allen voran Fecal Calprotectin, ein Protein im Stuhl, das anzeigt, wie stark der Darm entzündet ist.

Die Ergebnisse

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

  • 69 Prozent der Scheinfasten-Gruppe zeigten eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome
  • 64,6 Prozent erreichten Remission – die Erkrankung galt also als inaktiv
  • In der Kontrollgruppe verbesserte sich weniger als die Hälfte

Dass sich auch in der Kontrollgruppe einige verbesserten, ist bei Morbus Crohn normal: Die Krankheit verläuft in Schüben, und alle Teilnehmer:innen nahmen weiterhin ihre regulären Medikamente.

Besonders überzeugend sind die Laborwerte. Der Entzündungsmarker Fecal Calprotectin sank in der Scheinfasten-Gruppe deutlich stärker als in der Kontrollgruppe. Auch bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe gingen zurück, und die Immunzellen der Teilnehmer:innen produzierten messbar weniger Entzündungsmoleküle. Das sind keine subjektiven Einschätzungen – sondern objektiv messbare Veränderungen.

Schwere Nebenwirkungen gab es keine. Vereinzelt berichteten Teilnehmer:innen von Müdigkeit und Kopfschmerzen während der Fastentage.

Warum könnte das wirken?

Die genauen Mechanismen erforscht das Team noch, aber es gibt plausible Erklärungen. Während der starken Kalorienreduktion schaltet der Körper in eine Art Aufräummodus: Beschädigte Zellen werden abgebaut und recycelt – ein Prozess, der als Autophagie bekannt ist. Das betrifft auch geschädigte Zellen in der Darmschleimhaut.

Gleichzeitig dokumentierte die Studie Veränderungen auf Ebene der Immunzellen. Bei Morbus Crohn greift das Immunsystem den eigenen Darm an – die FMD scheint diese überschießende Reaktion zu bremsen. Ob sich auch das Darmmikrobiom verändert und zur Wirkung beiträgt, untersucht das Stanford-Team derzeit in weiterführenden Analysen.

Wer sich dafür interessiert, wie sich Scheinfasten im Alltag anfühlt und was dabei im Körper passiert, findet in unserem ausführlichen Prolon-Erfahrungsbericht einen persönlichen Einblick.

Einordnung: Was die Studie belegt – und was nicht

So vielversprechend die Ergebnisse sind – ein paar Einschränkungen sollte man kennen:

  • Moderate Studiengröße: 97 Teilnehmer:innen sind ein solider Anfang, aber größere multizentrische Studien müssen folgen, um die Ergebnisse zu bestätigen.
  • Nur milde bis moderate Fälle: Ob die FMD auch bei schweren Verläufen oder anderen entzündlichen Darmerkrankungen – etwa Colitis ulcerosa – wirkt, ist noch offen.
  • Keine Verblindung möglich: Die Teilnehmer:innen wussten, ob sie fasteten oder nicht. Bei subjektiven Symptomen kann das die Ergebnisse beeinflussen. Allerdings: Die objektiven Laborwerte – Calprotectin, Immunzellen, Entzündungsmoleküle – sprechen unabhängig davon eine deutliche Sprache.
  • Drei Monate sind kurz: Die Studie zeigt, dass die FMD kurzfristig wirkt. Ob die Verbesserung bei fortgesetzten Zyklen anhält, muss noch untersucht werden.

Trotz dieser Einschränkungen: Eine Remissionsrate von über 60 Prozent allein durch eine Ernährungsumstellung – das ist in der Gastroenterologie ungewöhnlich hoch. Die von Stanford veröffentlichte Studie ist ein starkes Signal dafür, dass Scheinfasten als ergänzender Therapieansatz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ernst genommen werden sollte.

Mehr zum Thema Scheinfasten

Wenn du dich für Scheinfasten interessierst, findest du hier unsere ausführlichen Erfahrungsberichte:

Quellen

  1. Kulkarni, C., Fardeen, T. et al. (2026): A fasting-mimicking diet in patients with mild-to-moderate Crohn’s disease: a randomized controlled trial. Nature Medicine. Zum Paper
  2. Stanford Medicine News (13. Januar 2026): Crohn’s disease: five-day diet reduces symptoms in clinical trial

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.