Scheinfasten und Krebs: Was 15 Studien zeigen

Fast leerer Teller mit wenig Gemüse auf einem Holztisch, im Hintergrund ein Mikroskop und wissenschaftliche Unterlagen – Symbolbild für Scheinfasten in der Krebsforschung

Eine Ernährungsform, die Tumorzellen aushungert – während gesunde Zellen geschützt werden? Ein neues systematisches Review im European Journal of Nutrition hat 15 Studien zur Fasting Mimicking Diet (FMD) und Krebs zusammengefasst. Die Ergebnisse sind vielversprechend – aber es gibt einen wichtigen Haken.

Was wurde untersucht?

Forscher:innen der Federal University of Piauí (UFPI) in Brasilien haben 15 präklinische Studien zur Fasting Mimicking Diet und Tumorstoffwechsel systematisch ausgewertet. Das Team um Francisco Leonardo Torres-Leal durchsuchte fünf wissenschaftliche Datenbanken und filterte aus 1.315 Treffern nach den PRISMA-Kriterien – dem Goldstandard für systematische Übersichtsarbeiten – 15 Studien heraus. Die untersuchten Krebsarten: Brustkrebs, Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leukämie, Eierstockkrebs und Melanom.

Alle inkludierten Studien testeten eine Scheinfasten-Diät mit mindestens 50 % Kalorienreduktion an Mausmodellen – teils als alleinige Intervention, teils in Kombination mit Standardtherapien wie Chemotherapie, Hormontherapie oder Immuntherapie.

Die Ergebnisse: Weniger Tumorwachstum, weniger Metastasen

FMD allein verzögerte das Tumorwachstum, reduzierte Metastasen und regulierte tumorfördernde Biomarker herunter. Besonders eindrucksvoll: Bei einem Modell für triple-negativen Brustkrebs – einer besonders aggressiven Brustkrebsform – reduzierte die Scheinfasten-Diät die Metastasen um 80 % und begrenzte sie auf die Lunge.

In Kombination mit Standardtherapien verstärkte FMD die Antitumor-Wirkung deutlich. Die Zahl der CD8+-Lymphozyten – Immunzellen, die Tumorzellen gezielt angreifen – stieg in Kombination mit Chemotherapie um 33 %. Wurde FMD mit einem PI3K/AKT/mTOR-Hemmer kombiniert, blieben 85 % der Tiere über 150 Tage tumorfrei.

Warum Scheinfasten Tumorzellen unter Druck setzt

Der zentrale Mechanismus: FMD unterdrückt den sogenannten Warburg-Effekt – also die Eigenschaft von Krebszellen, ihren Energiebedarf hauptsächlich über Glykolyse zu decken statt über die effizientere oxidative Phosphorylierung. Vereinfacht gesagt: Tumorzellen sind auf schnelle Zuckerverbrennung angewiesen. Scheinfasten entzieht ihnen genau diesen Treibstoff.

Gleichzeitig senkt die Diät den Insulinähnlichen Wachstumsfaktor 1 (IGF-1), hemmt den mTOR-Signalweg – eine zentrale Schaltstelle für Zellwachstum – und fördert die Produktion von Ketonkörpern. Das Ergebnis: Tumorzellen werden metabolisch unter Druck gesetzt, während gesunde Zellen geschützt bleiben. Die Forscher:innen beobachteten außerdem positive Veränderungen im Darmmikrobiom der Versuchstiere.

Was die Studie belegt

Das Review zeigt konsistent, dass Scheinfasten in Tiermodellen Tumorwachstum bremsen und die Wirkung von Standardtherapien verstärken kann. Die Kombination aus mehreren Wirkmechanismen – weniger Wachstumssignale, verstärkte Immunantwort, metabolischer Stress für Tumorzellen – macht FMD zu einem vielversprechenden Forschungsansatz in der Krebstherapie.

Einordnung: Vielversprechend, aber nur Tierdaten

So vielversprechend die Ergebnisse klingen – eine wichtige Einschränkung gibt es: Alle 15 Studien wurden an Mäusen durchgeführt. Klinische Studien mit menschlichen Patient:innen fehlen bislang. Die Forscher:innen weisen selbst auf die starke Heterogenität hin – unterschiedliche FMD-Protokolle, Tumorarten und Dosierungen machen direkte Vergleiche schwierig. Zudem können Krebszellen sich anpassen: In manchen Modellen nutzten Tumorzellen alternative Stoffwechselwege, um der Nährstoffknappheit zu entkommen. Das Review liefert eine solide Grundlage für die weitere Forschung – aber keine Therapieempfehlung.

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Quellen

Costa Pereira I, Martins JA, de Sousa DJM, de Oliveira Neres MS, Lima RSP, da Silva Sousa J, Monteiro RL, da Silva FCC, Severo JS, Torres-Leal FL. Fasting-mimicking diets as a strategy to reprogram tumor metabolism: a systematic review. Eur J Nutr. 2026;65(2):44. doi: 10.1007/s00394-026-03891-2

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