Drei Jahre lang war ich Vegetarier und damit eine Ausnahmeerscheinung. Es gab um meine Volljährigkeit herum selten Geschlechtsgenossen, die sich so wie ich ernährten. Dafür wandelten immerhin einige junge Frauen auf dem Pfad der fleischlosen Kost.

Heute finden sich selbst in Discount-Supermärkten immer mehr Lebensmittel, die sich speziell an Vegetarier richten. Eigene Beobachtungen am Kühlregal zeigen, dass Frauen verstärkt zu diesen Veggi-Produkten greifen. Sind Frauen die besseren Vegetarier?

Laut Nationaler Verzehrstudie II leben 1,6 Prozent der Deutschen vegetarisch. Der Vegetarierbund Deutschland (Vebu) geht sogar von sieben bis acht Prozent aus. Widersprüchlich sind die Zahlen, denn sie ändern sich je nach Definition. Veganer, Lacto-, Ovo-Lacto-Vegetarier oder einfach auf Fleisch verzichten, aber Fisch essend – die Abstufungen sind fließend.

Dabei ändern offensichtlich immer mehr Menschen ihre Lebensweise. Laut einer Statistik der Gesellschaft für Konsumforschung aus dem Jahr 1983 verzichteten damals lediglich 0,6 Prozent der Deutschen auf Fleisch.

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind erheblich. 70 bis 80 der heutigen Vegetarier sind weiblich. Die Vegetarierin ist jung, sehr gut gebildet und lebt in einer Großstadt. Eingefleischte Fleischesser dagegen sind meist männlich, fortgeschrittenen Alters, unterdurchschnittlich gebildet und Landbewohner.

Wie sieht wohl die Zukunft unserer Ernährung aus? Früher ging die Menge des Fleischkonsums mit dem Maß an Wohlstand einher. Vegetarier gehören zu den so genannten Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) – Menschen mit einem Lebensstil, der gesund und nachhaltig ist. Sie zählen oft zu den Besserverdienern. Hier hat offensichtlich ein Wertewandel stattgefunden. “Ich esse Möhren und das ist auch gut so” könnte der Slogan zur (elitären) Bewegung heißen.

Aber warum sind es mehr Frauen als Männer, die dieser Lebensweise frönen. Wird sich das in Zukunft ändern?

Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/499733

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